Die Lorenz-Adlon-Geburtstagsfeier ist der letzte Arbeitstag von Thomas Neeser. Zehn Jahre stand der 37-Jährige am Herd des luxuriösen Restaurants, zwei Jahre als Sous-, acht Jahre als Küchenchef.
Er verteidigte den von seinem Vorgänger Karlheinz Hauser errungenen Michelin-Stern und etablierte das Gourmetrestaurant in Berlins erster Kategorie. Nun hat Neeser in der Schweiz eine neue Stelle angenommen, ein Verlust für das Adlon und einer für die Stadt, der ganz langsam die Sterneköche abhanden kommen.
Thomas Neeser trat im Juni 2002 die Nachfolge von Karlheinz Hauser als Küchenchef an, und der Gault Millau fragte, was der Neue kann. Die Antwort der Tester: „Neeser beeindruckte uns durch eine handwerklich tadellose Leistung. Abschmecken, Würzen, Garen – das ist alles keinThema für ihn.“ Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich. Abschmecken, Würzen, Garen? Ist da nicht noch was?
Auch in den Folgejahren tat sich der Gault Millau schwer mit Neesers Kochkunst. Ein Zitat als Beweis: „Das Geschlossene von früher weicht zunehmend einem zwar logischen, jedoch weniger verketteten Zusammenhalt der Komposition. Mit diesem kunstvollen Plädoyer für die Freiheit erwächst dem Gourmet die Möglichkeit, die einzelnen Attribute nach Ermessen zu goutieren. Dabei kann er auch besser die Tiefenresonanz der Gerichte erkunden…“ Mein Gott.
Dass Neeser und sein Team die Gäste nicht mit Kreativgewittern nervten, gehörte zum Konzept. Dass der Küchenchef, obwohl er zu den besten Köchen der Stadt zählte, höchst selten Schlagzeilen machte, liegt in seiner Natur. Der junge Mann ist Unterfranke, Angehöriger einer Spezies also, denen das Understatement in die Wiege gelegt wird. Während andere Berliner Küchenchefs auf Platz eins ihres Mobiltelefons die Nummer einer Boulevardzeitung gespeichert haben, ist es bei Neeser die seines Lehrmeisters. Der in einem fränkischen 80-Seelen-Ort Aufgewachsene kam nach seiner Kochlehre in Würzburg und Stationen an der Côte d´Azur 1997 nach Illhaeusern, jenem Elsass-Dorf, dass seit Jahrzehnten Feinschmeckerherzen höher schlagen lässt. Bei Marc Haeberlin erhielt Neeser handwerklich den letzten Schliff – etwa mit den in Asche gegarten schwarzen Trüffeln, mit Froschschenkelmousseline oder der legendären „La terrine de foie d´oie“ – aber auch menschlich – etwa mit Haeberlins Plädoyer für Redlichkeit, Verlässlichkeit und Bescheidenheit in einer Zeit, in der Köche, kaum haben sie gelernt, Steaks zu braten, von den Medien zu Superstars gemacht werden.
Neesers Nachfolger im Lorenz Adlon?…